Bewegende Gedenkstunde
In einer Gedenkstunde erinnerten Schülerinnen und Schüler des RGH am 24.1. an die Opfer des Vernichtungslagers Sobibór.
Schülerinnen und Schüler, die im Herbst 2024 an einem internationalen Jugendworkshop in Sobibór teilgenommen hatten, Mitglieder der AG "Schule ohne Rassismus", Raphaela Kula und Fritz Bornemeyer (Atelier Ostbahnhof), Gisela Küster (Kuratorium Erinnern - Forschen - Gedenken) und Frau Bierhenke und Frau Schmidt hatten die Gedenkveranstaltung in der Kleinen Markthalle vorbereitet. Frau Küster erinnerte daran, dass Herforder Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit vom Platz vor der Halle den Weg in die Konzentrationslager antreten mussten.
Frau Bartels und Bürgermeister Kähler begrüßten alle, die zu der Veranstaltung gekommen waren. Besonders erfreulich war, dass auch Schülerinnen und Lehrerinnen der Jodocus-Nünning-Gesamtschule in Borken, die im Herbst ebenfalls an dem Workshop teilgenommen hatten, nach Herford gereist waren. Außerdem war Doede Sijtsma, Deutschlandbeauftragter der niederländischen Provinz Gelderland, aus der besonders viele Opfer von Sobibór stammten, eigens für die Gedenkstunde nach Herford gekommen.
Eine Einführung in die historischen Zusammenhänge stand am Anfang der Veranstaltung: Fritz Bornemeyer informierte die Zuhörerinnen und Zuhörer über die "Aktion Reinhardt", in der zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 etwa 1,8 Millionen Jüdinnen und Juden unter anderem in Sobibór ermordet wurden. Sehr lebendig berichteten die Schülerinnen und Schüler, die im vergangenen Herbst in Polen gewesen waren, anschließend von dem internationalen Jugendworkshop, an dem sie teilgenommen hatten. Auch Auschnitte aus einem Film, den sie während des Workshops gedreht hatten, wurden gezeigt. Im Gespräch mit Raphaela Kula erzählten sie davon, was sie beim Besuch der Gedenkstätte Sobibór besonders berührt hatte: das riesige Feld von Steinen, das die Tausenden von Toten symbolisiert, die Stille des Waldes um die Gedenkstätte oder der "Schlauch", für die Deportierten der letzte Weg, den sie von der Bahnrampe zu den Gaskammern gehen mussten. Aus dem Buch "Es fährt ein Zug nach Sobibór", das Jules Schelvis, ein Überlebender des Vernichtungslager, geschrieben hatte, lasen sie anschließend Passagen vor, die das Schicksal der deportierten Jüdinnen und Juden bedrückend deutlich machten. Dann trugen die Schülerinnen und Schüler die Namen einiger Opfer von Sobibór aus Herford und Ostwestfalen vor. Sie erinnerten auch an die Verwandten der Niederländerin Rozette Kats, die im letzten Jahr in Herford zu Gast war. Ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder starben in Auschwitz, andere ihrer Vorfahren wurden in Sobibór ermordet.
Für den musikalischen Rahmen der Gedenkstunde sorgte das Instrumentalensemble des RGH, das Frau Seiler leitete. Eine besondere Idee hatten die Schülerinnen und Schüler für den Abschluss der Veranstaltung: Unter jedem Stuhl klebte ein Post-It. Alle Anwesenden wurden aufgefordert, ihre persönlichen Gedanken aufzuschreiben und auf ein Poster zu kleben, das in der kommenden Woche im RGH ausgestellt werden soll.